„Europa baut gerade am Gerüst seiner Raumfahrtpolitik – aber im Moment arbeitet jeder auf seiner eigenen nationalen Leiter. So bleibt das Ganze instabil“, sagt Lagodinsky. „Der Weltraum ist längst ein geopolitischer und wirtschaftlicher Machtfaktor. Klare Regeln, faire Wettbewerbsbedingungen und eigene Startkapazitäten sind keine Kür mehr, sondern Voraussetzung dafür, dass Europa im All mitspielt.“

Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen, zunehmender Abhängigkeiten und eines immer stärker umkämpften Weltraums steht Europa unter erheblichem Zeitdruck. Der EU Space Act soll kritische Infrastruktur im All schützen, faire Marktbedingungen schaffen und Europas Rolle als eigenständiger Akteur langfristig sichern.

Die Änderungsanträge der Grünen/EFA zielen auf einen echten europäischen Binnenmarkt für Raumfahrt. Dazu gehört eine unionsweit gültige Startgenehmigung, durch die eine in einem Mitgliedstaat erteilte Genehmigung EU-weit anerkannt wird. Gleichzeitig soll der Zugang zum europäischen Markt stärker an Gegenseitigkeit geknüpft werden, um Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen zu vermeiden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, unter anderem durch einen „Space Sector Support Desk“ bei der EUSPA. Zudem setzen sich die Grünen/EFA für den Ausbau europäischer Startkapazitäten ein, um Abhängigkeiten von Drittstaaten zu reduzieren und die strategische Autonomie Europas im Weltraum zu stärken.

Deutliche Kritik übt Lagodinsky an denen im Europäischen Parlament, die vor allem auf weniger Regulierung und mehr nationale Kontrolle setzen: „Im All gibt es keinen Platz für nationalen Symbolismus. Die Zeiten, in denen man eine Flagge in den Mondboden steckt und das als geopolitischen Erfolg feiert, sind vorbei. Raumfahrt heute bedeutet Infrastruktur, Sicherheit und wirtschaftliche Macht. Nationale Alleingänge führen direkt in neue Abhängigkeiten – und schwächen Europas Position im Wettbewerb mit den USA und China.“

Zugleich warnt Lagodinsky vor Verzögerungen beim Gesetzgebungsverfahren: „Während Europa noch über Zuständigkeiten diskutiert, schaffen andere längst Fakten im All. Jede Verzögerung kostet uns technologische Souveränität und wirtschaftliche Chancen.“

Das Gesetzgebungsverfahren gleicht einem politischen Marathon: Allein zwischen April und Oktober 2026 sind über 40 technische und sogenannte „Shadows“-Meetings angesetzt. Trotzdem zeigt sich Lagodinsky zuversichtlich: „Dieses Gesetz entscheidet darüber, ob Europa im All mitgestaltet oder denen, die voran gehen, nur noch müde hinterherwinkt. Wir werden im Parlament Druck machen, damit Europa Schritt halten kann.“ Ein erster Kompromissvorschlag des Europäischen Parlamentes wird voraussichtlich am 14. Juli im Ausschuss behandelt.

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Änderungsanträge (englisch)
https://lagodinsky.de/wp-content/uploads/2026/04/Amendments-COM20250335_24-03-2026_12.42.21.pdf

Zusammenfassung (englisch)
https://lagodinsky.de/wp-content/uploads/2026/04/Summary_Space_Act_Amendments.pdf