Auf Initiative des Europaabgeordneten Sergey Lagodinsky haben Bündnisgrüne am Freitagabend an der Technischen Universität Berlin gemeinsam mit Wissenschaftlern zentrale Zukunftsfragen der Raumfahrt diskutiert. Im Fokus standen die nachhaltige Nutzung der Erdorbits, der Umgang mit Weltraumschrott sowie die Stärkung der Raumfahrtforschung. Nachhaltige Raumfahrt bedeutet vor allem, den Weltraum als Ressource langfristig nutzbar zu halten. Dazu gehört, Satelliten so zu bauen, dass sie jederzeit nachverfolgt und identifiziert werden können, am Ende ihrer Lebensdauer kontrolliert aus dem Orbit entfernt werden, Kollisionen vermieden und neue Trümmer gar nicht erst entstehen.

Die TU Berlin zählt weltweit zu den führenden Standorten für Kleinsatellitentechnologie und leistet mit eigenen Missionen sowie innovativen Forschungsansätzen einen wichtigen Beitrag für einen sicheren und nachhaltigen Weltraumverkehr. Angesichts von inzwischen über 12.000 aktiven Satelliten und Millionen Trümmerteilen im Orbit wird deutlich: Der Weltraum entwickelt sich zunehmend zu einem hochkomplexen Verkehrsraum, der klare Regeln und technologische Lösungen erfordert.

„Der Weltraum ist längst auf der politischen Agenda angekommen. Wir brauchen klare Anreize und Unterstützung für Raumfahrt „made in Europe“ und wir brauchen nachhaltige Raumfahrt – von der Vermeidung von Weltraumschrott bis hin zu Standards für Sicherheit und Transparenz im Orbit. Die Abhängigkeit von den USA, geschweige denn Russland oder China, macht uns verwundbar. Das muss sich ändern“, sagt Dr. Sergey Lagodinsky, Fraktionsvize der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und ihr grüner Berichterstatter für den EU Space Act. Die Bündnisgrünen in Brüssel arbeiten derzeit mit Hochdruck am EU Space Act, aktuell werden Änderungsanträge zum Entwurf der EU-Kommission debattiert. „Wir erwarten noch in diesem Jahr eine Positionierung des Europäischen Parlaments“, zeigte sich Lagodinsky zuversichtlich.

In Deutschland ist ein umfassendes Regelwerk für die Raumfahrt weiterhin nicht in Sicht. „Bereits unter der Ampelregierung wurde 2024 ein Eckpunktepapier vorgelegt, das als Grundlage für ein Weltraumgesetz dienen soll – ein konkreter Gesetzentwurf steht jedoch weiterhin aus. Wir erwarten von Raumfahrtministerin Dorothee Bär, dass sie einen tragfähigen Gesetzentwurf vorlegt, der dann mit dem EU Space Act harmonisiert“, sagte die Berichterstatterin der Bündnisgrünen im Bundestag für Raumfahrt, Claudia Müller.

Besonders problematisch sind ungeklärte Haftungsfragen: „Es gibt hier eine Rechtsunsicherheit und hohe Kostenrisiken – gerade für Start-ups“, warnt Müller. Das geplante deutsche Weltraumgesetz soll erstmals einen umfassenden rechtlichen Rahmen für Raumfahrtaktivitäten schaffen und auf die zunehmende Bedeutung der Raumfahrt für Wirtschaft, Sicherheit und Gesellschaft sowie das wachsende Engagement privater Unternehmen reagieren.

Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Dr. Andrea Lübcke, Mitglied im Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung, zeigte sich beeindruckt von der Forschung vor Ort: „Die TU Berlin spielt in der Liga der Weltspitze, wenn es um Kleinsatelliten und nachhaltige Raumfahrttechnologien geht. Dieses Know-how müssen wir gezielt stärken und politisch besser unterstützen.“

Gleichzeitig gehe es um technologische Souveränität: Forschungseinrichtungen wie die TU Berlin sowie Start-ups und Raumfahrtunternehmen in Berlin und Brandenburg entwickeln Schlüsseltechnologien für Europas unabhängigen Zugang und Betrieb im All, so Lübcke.

Der Besuch umfasste unter anderem Einblicke in Labore für Satellitenintegration, Technologien für Rendezvous- und Docking-Manöver, die Verarbeitung von nachempfundenem Mondgestein sowie das Mission Control Center der TU Berlin, in dem der reale Betrieb von Satelliten gesteuert wird. Ein weiterer Schwerpunkt war die internationale Zusammenarbeit zur Reduzierung von Weltraumschrott, etwa im Rahmen von Initiativen wie der „Zero Debris Charter“ oder den „Zielen für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen. Hier leisten deutsche Forschungseinrichtungen bereits heute wichtige Beiträge zur technischen Umsetzung. Das BEECON-Projekt der TU Berlin zielt beispielsweise darauf ab, ein miniaturisiertes Funksystem für Kleinsatelliten zu entwickeln, um die Identifikation und Bahnbestimmung im Weltraum zu verbessern und damit einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Weltraummüll zu leisten.

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Impressionen Besuch an der TU Berlin
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Mehr Informationen
Fachgebiet Raumfahrttechnik des Instituts für Luft- und Raumfahrt (ILR) der TU-Berlin
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